Wenn Fakten zu Meinungen werden

|   Werne

Prinzessin Diana starb nicht bei einem Autounfall, sondern wurde vom britischen Geheimdienst ermordet. Das World Trade Center griffen nicht Terroristen mit gekaperten Flugzeugen an, es wurde vom CIA gesprengt. Die Mondlandung war ein Fake, Kondensstreifen von Flugzeugen sind giftige „Chemtrails“, Impfen hilft allein der Pharmaindustrie und die Klimaerwärmung ist ohnehin eine pure Lüge. Die Liste von Verschwörungstheorien und Unwahrheiten ließe sich beliebig fortsetzen. 

Solchen Theorien geht der Autor und Philosoph Jan Skudlarek in seinem Buch „Wahrheit und Verschwörung“ auf den Grund, aus dem er am Donnerstagabend bei Bücher Beckmann las. „Zu Beginn des dritten Jahrtausends schwinden Gewissheiten“, sagt Jan Skudlarek. Verschwörungstheoretikern argumentativ, mit Fakten, zu begegnen, sei aussichtslos: „Fakten werden zu Meinungen degradiert. Aber: man kann seine eigene Meinung, nicht aber seine eigenen Fakten haben“, unterstreicht der Autor. Verschwörungstheoretiker bräuchten keine Beweise - und Gegenargumente seien immer schon ein Teil der Verschwörung. 
Verschwörungstheorien beeinflussen die Meinungen und damit das Handeln der Menschen, sagt Jan Skudlarek. Bei Populisten sei die Unwahrheit, die Verschwörungstheorie „strategischer Bestandteil“ ihrer Argumentation. Es ist kein Zufall, dass in diesem Zusammenhang der Name des US-Präsidenten Donald Trump auftaucht. Aber auch hierzulande nutzten beispielsweise Rechtspopulisten die Macht der Unwahrheit - Stichwort „Völkeraustausch“.
Eines möchte Jan Skudlarek mit seinem bewusst hie und da auch mal polemischen Buch nicht: Zweifel unterdrücken. „Zweifel sind gut und wichtig. Sie sind aber kein Selbstzweck“, sagt der Autor. Zwangsläufig führt die Beschäftigung mit Verschwörungstheorien zur Frage nach der Wahrheit. „Eine akzeptable, belegbare Beschreibung von Welt/Wirklichkeit“, formulierte es Jan Skudlarek. thw

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