Wenn der Nachwuchs zum „knappen Gut“ wird

|   Werne

Fachkräftemangel - das ist ein Bereich, mit dem sich heute immer mehr Unternehmen intensiv auseinandersetzen müssen. Qualifiziertes Peronal zu bekommen, ist die eine Seite der Medaille - es langfristig an sich zu binden, die andere. Ein Stichwort dabei: Arbeitgeber-Attraktivität. Darüber sprach am Mittwochabend auf Einladung der Gemeinschaft „Wir für Werne“ die Professorin Dr. Jutta Rump vom Institut für Beschäftigung und Employability der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft in Ludwigshafen.

Nach einer Begrüßung der rund 100 Gäste im historischen Ratssaal durch den „Wir für Werne“-Vorsitzenden Michael Zurhorst und Vorstandsmitglied Adelheid Hauschopp-Francke, auf deren Anregung hin der Vortrag zustande kam, skizzierte Professorin Rump zunächst die aktuellen Bedingungen am Arbeitsmarkt. Neben veränderten technisch-ökologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen sorge insbesondere der demografische Wandel für Probleme. „Dabei stehen wir erst am Anfang“, sagte die Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre. Mitte der 20er Jahre werde in den Unternehmen die Hälfte der Belegschaft über 50 sein, was eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit mit sich bringe. Zugleich werde qualifizierter Nachwuchs immer rarer. „Früher waren junge Menschen froh, wenn sie einen Job bekommen hatten. In der Zukunft wird der Nachwuchs, der da ist, das ‚knappe Gut‘ sein - und der Nachwuchs weiß das auch“, unterstrich Jutta Rump. Sie selbst berichtete von einem Vorstellungsgespräch, das ein Bewerber ihr gegenüber mit den Worten abschloss: „Frau Rump, Sie kommen in die engere Wahl.“
Betriebe müssten sowohl für den Nachwuchs als auch für die Älteren ein attraktiver Arbeitgeber sein. Ein Arbeitgeber, der seine Mitarbeiter nicht „ausquetscht wie eine Zitrone“. Denn das könne sich kein Arbeitnehmer mit Blick auf seine Lebensarbeitszeit mehr leisten. „Dann halten ihre Mitarbeiter nicht durch“, sagte Jutta Rump. Umso wichtiger: für eine gesunde Belegschaft sorgen. Und darüber hinaus für ein gesundes Betriebsklima. „Ihre Arbeitnehmer müssen sich mit dem Betrieb, mit der Arbeit und mit dem Team identifizieren können. Nur eine qualifizierte, motivierte und gesunde Belegschaft schafft Erfolg“, unterstrich die Refrentin. Darüber hinaus sei eine „angemessene und gerechte Entlohnung“ ein wichtiger Faktor, um als Arbeitgeber attraktiv zu sein. Den Unternehmen legte die Professorin zudem dringend ans Herz, sich um eine dezidierte strategische Personalplanung zu bemühen. „Überlegen Sie genau, wieviel Personal Sie in ihrem Betrieb benötigen; aktuell und auch in fünf bis zehn Jahren“.
Neben diesen - und zahlreichen weiteren Faktoren, die Professor Jutta Rump anriss - gehört zum attraktiven Arbeitsplatz aber auch ein entsprechendes Umfeld. „Die Kommune muss dafür sorgen, dass der Standort attraktiv und wettbewerbsfähig ist“, betonte Jutta Rump. thw

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