Tod im Becken

|   Werne

Tausende Besucher waren am Eröffnungstag im April ins Solebad geströmt - und „merkwürdigerweise“ hatte nicht ein einziger mitbekommen, dass in einem Wassertank ein abgetrennter Finger gefunden wurde, der auf einen abscheulichen Mord deutete.

Die Bad-Geschäftsführer Jürgen Thöne und Frank Gründken unternehmen gemeinsam mit dem Kaufmännischen Leiter Carsten Langstein alles, um das Verbrechen „unterm Deckel“ zu halten, Kripo und Gerichtsmedizin klammheimlich ins Bad zu lotsen. Die erste Untersuchung des wegen des lackierten Fingernagels vermeintlich weiblichen Fingers ergibt: er gehört zu einer männlichen Person. Dessen Leiche wird wenig später im frisch gegossenen Beton des damals noch nicht fertigen Außenbeckens entdeckt.
Um es hier aufzuklären: das Szenario beschreibt die Schriftstellerin Christine Drews in ihrem Werne-Kurzkrimi „Blut gerochen“, den sie für die dritte Ausgabe des Krimifestivals „Blutige Lippe“ verfasst hat. Im Rahmen der Reihe „Tatort Solebad“ bildete die Lesung mit der Kölner Autorin den Auftakt zum Festival, bei dem sich wieder entlang der Lippe ein Verbrechen an das andere reiht.
Im Mai war Christine Drews wie berichtet im Solebad, um sich für ihre Geschichte inspirieren zu lassen und mögliche Tatorte auszukundschaften. Sie hat dabei - wie ihre Erzählung belegt - nicht nur viele Details im Bad und der Umgebung aufgenommen, sondern auch die Bedeutung des Bades für die Werner und den „Eröffnungs-Stress“ für die Mitarbeiter - die Verwendung realer Namen wurde von den „Originalen“ autorisiert - haargenau erspürt. Was sie dann auch bei der Lesung „rüberbrachte“: eindringlich ließ sie die sich steigernde Spannung lebendig werden - vom Fund des Fingers durch ein kleines Mädchen über die Entdeckung der Leiche und deren Identifizierung bis zum Aufspüren des Täters. So ernst und spannend das Geschehen auch ist - der Kurzkrimi hat seine makaber-humorvollen Seiten: beispielsweise, als ausgerechnet dem Mädchen, das den Finger gefunden hatte, am Eisstand ein Flutschfingereis angeboten wird.
Über 120 Besucher hatten die Festivalleiter Hartmut Marks und Magnus See im ausverkauften Solebad begrüßt; für einen humorvollen Einstieg hatte der heimische Autor Christian Huppert mit seinem Beitrag gesorgt, für den er aus Krimi-Phrasen vornehmlich der 80er Jahre einen lyrischen Text komponiert hatte. Die Musik der Band „Rotstiftpause“ mit Sängerin Claudia Blaufuß  machte den Abend endgültig rund. Noch ein Tipp: der Roman „Schattenfreundin“ von Christina Drews, die auch Drehbücher für das Fernsehen verfasst, wurde verfilmt: das Ergebnis ist am 28. Oktober im ZDF zu sehen.
Mit zahlreichen Veranstaltungen entlang der Lippe von Bad Lippspringe bis Wesel setzt sich das Festival, für dessen dritte Auflage auch Hartmut Marks sein Krimidebüt verfasste, bis zum 23. November fort. Die Anthologie ist im heimischen Buchhandel erhältlich. thw

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