Meuterei auf der „Hispaniola“

|   Werne

Zu ihrer „Jungfernfahrt“ stach am Sonntag die „Hispaniola“ in See - und damit hob sich in der Freilichtbühne der Vorhang für die Premiere des Stücks „Die Schatzinsel“.

Nach der Romanvorlage von Robert Louis Stevenson hatte Marius Przybilla, der gemeinsam mit Holger Schulte auch Regie führte, den Text für die Bühnenfassung geschrieben. Eine Fassung, die an die 30 Darsteller mit großer, spürbarer Spielfreude auf die Bühne brachten. Und eine Fassung, die für viel Bewegung, auf der Bühne sorgte.
In einem beschaulichen Gasthaus in der Nähe von Bristol trifft Bill Bones, gespielt von Siegfried Kaul, nach wieder einmal übermäßigem Rum-Genuss der Schlag. In dessen Seemannskiste findet der Sohn der Gastwirtin, Jim Hawkins, eine Karte von einer Insel, wo der Schatz des legendären Captain Flint vergraben sein soll. Jim - in dieser Rolle glänzte Jan Fomrath - zeigt die Karte unter anderem Dr. Livesey, der sofort eine Reise zu der Schatzinsel plant. Sie gehen an Bord der „Hispaniola“, wo Kapitän Smollet, brillant gespielt von Marvin Müller, das Kommando führt. Was sie - zunächst - nicht wissen: mit an Bord ist eine Gruppe von Piraten aus der einstigen Mannschaft Captain Flints  um dessen früheren Schiffskoch, den einbeinigen Long John Silver, den Benedikt Stoltefuß gekonnt verkörperte. Die Gruppe plant eine Meuterei, um den Schatz an sich zu reißen. 
Auf der Schatzinsel kommt es zum Kampf, aus dem Silver und seine Mannen als Sieger hervorzugehen scheinen. Dr. Livesey übergibt scheinbar besiegt die Schatzkarte an Silver. Dem aber nützt sie wenig. Denn Jim hat zuvor mit Ben Gunn, der auf der Insel lebt, ein weiteres ehemaliges Mitglied aus der Crew Captain Flints getroffen, der den Schatz schon vor langer in Sicherheit gebracht hat.
Nicht allein das gekonnte Spiel der Darsteller machte „Die Schatzinsel“ zu einem besonderen Erlebnis. Da waren beispielsweise die Fechtszenen, die deshalb so authentisch wirkten, weil die Schauspieler zuvor ein entsprechendes Seminar besucht hatten. Und da war vor allem auch das größte Schiff, das je in der Freilichtbühne seine Anker lichtete: die von Thorsten Maß erbaute, imposante „Hispaniola“, auf der die Piraten auch die furchteinflößenden Kanonen sprechen ließen, was für zusätzliche Knalleffekte sorgte. Bühnenbild, Text, Regie, Musik - dafür hatten die Regisseure auf den langjährigen Bühnenmusiker Roman D. Metzner zurückgegriffen, Kostüme und schließlich das gekonnte Schauspiel ergänzten sich zu einer insgesamt perfekten Aufführung, die immer wieder für spontanen Szenenapplaus und lange Ovationen zum Schluss sorgte. Wer‘s versäumt hat, der sollte sich an diesem Sonntag auf den Weg in die Bühne machen. Denn dann sticht die „Hispaniola“ um 16 Uhr wieder in See. thw

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