Klarer Verriss für Jürgen von der Lippe

|   Werne

Nun mag Jürgen von der Lippe ein versierter Entertainer sein - ein Romanautor aber eher nicht. Sein Debüt „Nudel im Wind“ jedenfalls fiel beim LiteraTurnier sang- und klanglos durch.

„Helden“ hatten Moderator Dieter Vatheuer, „Blutige-Lippe“-Herausgeber Hartmut Marks, der Verleger und Autor Magnus See, die Kabarettistin Liane Jäger und Schauspieler Ludger Burmann als Thema für die 19. Auflage des Bücherstreits, der Kooperation des Fördervereins Stadtbücherei und Bücher Beckmann, gewählt. Neben von der Lippes Romandebüt standen Gerhard Falkners „Romeo oder Julia“, „Chita“ von Lafcadio Hearn und Joost Zwagermans Roman „Duell“ auf der Liste. Von allen kam „Nudel im Wind“ - eine Erzählung rund um eine TV-Abnehm-Show - am schlechtesten weg: „Nicht einmal eine gelungene Persiflage auf Reality-TV“ (Liane Jäger), „Zum Fremdschämen“ (Hartmut Marks), „Ich war böse enttäuscht, Zoten auf niedrigstem Niveau“ (Ludger Burmann), „Hat meine hohen Erwartungen überhaupt nicht erfüllt“ (Magnus See) - so lauteten die vernichtenden Urteile. Da kam „Duell“ von Joost Zwangerman schon deutlich besser weg. „Ein sehr gutes Buch, das den Kunstbetrieb auf die Schippe nimmt“, sagte Hartmut Marks; Ludger Burmann sprach von „spannenden Einblicken in die Kunstszene“ und Liane Jäger war von dem Buch „gefesselt“. Zum Favoriten des Abends avancierte „Chita“ aus der Feder von Lafcadio Hearn, das bereits 1896 erschienen ist. Ludger Burmann und Magnus See lobten die „facettenreiche, poetische Sprache, die die Leser in die Natur hineinziehen“, Hartmut Marks sprach von einem „ebenso berührenden wie ansprechendem Werk“ und Liane Jäger hatte es nach Beginn der Lektüre gar nicht mehr aus der Hand legen können. An „Romeo und Julia“ von Gerhard Falkner schließlich schieden sich die Geister. Von deutlicher Ablehnung - „Ich hatte bei der Lektüre Probleme bis Seite 110 und ab Seite 111 wieder“ (Hartmut Marks); „Langweilig; berauscht sich an der eigenen Intellektualität“ (Ludger Burmann) bis zur klaren Empfehlung von Magnus See, das Buch ein zweites Mal zu lesen - „dann werdet ihr noch viele Feinheiten entdecken“ - reichten die Bewertungen.
Für die 20. Auflage am Buß- und Bettag versprach Dieter Vatheuer abschließend ein besonderes LiteraTurnier - „mit ganz vielen Überraschungen, von denen wir im Moment selbst noch gar nichts wissen. thw

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