Hin zum „öffentlichen Wohnzimmer“

|   Werne

Primär Ort der Buchausleihe zu sein, das gilt für die Stadtbücherei längst nicht mehr. Dem trägt die städtische Einrichtung nicht nur inhaltlich, sondern auch baulich Rechnung.

Büchereileiterin Gerlinde Schürkmann, Bürgermeistermeister Lothar Christ, Kulturdezernent Alexander Ruhe, der Fördervereins-Vorsitzende Andreas Bassendowski und Martin Abdinghoff erläuterten am Mittwoch, wie sich die Bibliothek für die Zukunft aufstellt.
Weniger Ausleihen, längere Aufenthalte - das ist kurz gesagt die Tendenz, die das Büchereiteam seit längerem wahrnimmt. „Menschen lesen hier Bücher und Zeitschriften, Schüler machen ihre Hausaufgaben und bereiten Referate vor, Menschen aus Flüchtlingsfamilien lernen hier“, beschreibt Gerlinde Schürkmann den Wandel. Dafür soll nun im ersten Obergeschoss, genauer im linken Flügel des „alten Steinhauses“, ein Raum geschaffen werden, der auch optisch die Stadtbücherei als moderne Begegnungsstätte ausweist. „Alte Möbel, Regale, die größtenteils noch aus den 80er Jahren stammen und den Blick in den Raum verstellen“, beschreibt Gerlinde Schürkmann den Ist-Zustand. Entstehen wird ein moderner Raum mit weniger Regalen, mit modernen und bequemen Sitzmöbeln; ein Raum, der auch für Veranstaltungen wie das „LiteraTurnier“ genutzt werden kann. Hier werden vor allem Belletristik und Zeitschriften ihren Platz finden. Professionelle Einrichter für Bibliotheken erarbeiten nun Vorschläge für das künftige Aussehen. „Wir möchten den Raum so gestalten, dass er als ‚öffentliches Wohnzimmer‘ wahrgenommen wird“, sagte die Büchereileiterin. Wenn alles gut läuft, soll im April kommenden Jahres das Ergebnis zu sehen sein. „Die Umgestaltung bedeutet eine erhebliche Steigerung der Aufenthaltsqualität“, sagte Dezernent Alexander Ruhe.
Realisierbar wurde das Vorhaben, weil der Förderverein und insbesondere die Sparkassen-Stiftung sich finanziell stark engagieren. „Wir sind von der Idee begeistert“, sagte Martin Abdinghoff, „die Bücherei hat eine Strahlkraft über Wernes Grenzen hinaus und diese Strahlkraft gilt es weiter zu stärken“. „Für ihr Engagement sind wir dem Förderverein und der Sparkassen-Stiftung sehr dankbar“, sagte Lothar Christ.
„Diese Maßnahme ist ein Baustein für einen konzeptionell neuen Weg“, unterstrich der Bürgermeister. Ein Weg, den die Bücherei bereits mit der Umgestaltung der Jugendbuchabteilung beschritten hat. Und ein Weg, der insbesondere auch viel inhaltliche Arbeit erfordert. Die haben Gerlinde Schürkmann und ihr Team mit der Erstellung einer Konzeption längst begonnen - in enger Zusammenarbeit mit dem Förderverein, der weit mehr ist als bloßer Geldgeber. „Wir sind von Anfang an auch inhaltlich in den Prozess eingebunden“, sagte der Vorsitzende Andreas Bassendowski.
Lothar Christ sieht diesen Prozess eingebettet in den Wandel, den die Innenstadt durchlebt. „Die Tendenz geht weg von der primären Funktion als Einkaufsstätte hin zu einer stärkeren Bedeutung als Begegnungsort“, erläuterte der Bürgermeister. Den öffentlichen Einrichtungen und gerade auch der Stadtbücherei komme dabei eine besondere Bedeutung zu. „Die Bücherei ist ein Schmuckstück - aber ein Schmuckstück, das sich immer weiterentwickeln muss“, unterstrich der Verwaltungschef. Zumal die Bibliothek der Zukunft auch ihrem Bildungsauftrag gerecht werden muss. Dabei spielt auch die bereits heute gelebte enge Vernetzung beispielsweise mit Kindergärten und Schulen eine bedeutende Rolle. thw

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