Gedenken als Auftakt zu neuen Begegnungen

|   Werne

Am 27. Januar, dem Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Ausschwitz, wird seit 1996 der Opfer des Holocausts gedacht. Bei der Gestaltung des Tages an diesem Sonntag geht die Stadt Werne in diesem Jahr einen neuen Weg.

Nach Filmvorführungen in den vergangenen Jahren wird es in diesem Jahr eine gemeinsame Feier von Menschen jüdischen und christlichen Glaubens geben. Das Programm erläuterten am Mittwoch Pfarrdechant Jürgen Schäfer, Kulturdezernent Alexander Ruhe, die Kulturamtsleiterin Marlies Goßheger und Kantor Dr. Hans-Joachim Wensing.
„Man stößt in Werne auf zahlreiche Spuren jüdischen Lebens - der jüdischen Friedhof, die Stolpersteine an den ehemaligen Wohnstätten jüdischer Mitbürger und der einstige Standort der Synagoge“, sagte Pfarrdechant Jürgen Schäfer. Jüdisches Leben, das die Nationalsozialisten ausgelöscht haben. „Der Holocaust, das Gedenken an die Opfer werden immer zu unserer Geschichte gehören, und auch die Schuld dürfen wir nie kleinreden“, fuhr der Pfarrdechant fort, der gleichwohl den Blick auch auf die Gegenwart lenken möchte: „Ich habe mich gefragt, wie sieht es heute aus?“
Gemeinsam mit Marlies Goßheger nahm er Kontakt zur jüdischen Gemeinde „haKochaw“ in Unna auf, um Möglichkeiten einer gemeinsamen Veranstaltung zu besprechen. „Wir haben dort offene Türen eingelaufen“, berichtete Pfarrdechant Jürgen Schäfer. Das Ergebnis: ein gemeinsamer Psalmabend in der Christophorus-Kirche, über dem „Das Gebet des jüdischen Volkes“ als Leitgedanke steht. „Viele Teile unserer Liturgie stammen aus dem Judentum, so auch die Psalmen“, erläuterte der katholische Geistliche. Gemeinsam werden Psalmen rezitiert und jüdische Lieder und Chorstücke vom Chor „Simcha“ vorgetragen. Auch der Chor „Vocapella“ hat einen musikalischen Beitrag einstudiert. Die gemeinsame Veranstaltung ist neben dem gemeinsamen Gedenken auch als Anfang eines weiteren intensives Austausches gedacht. „Schon die gemeinsame Vorbereitung der Veranstaltung am Sonntag hat uns allen großen Spaß gemacht“, berichtete Pfarrdechant Schäfer.
Der rund 45-minütige Psalmabend in der Christophorus-Kirche beginnt um 16 Uhr; der Gedenktag aber bereits um 15.30 Uhr mit einer Kranzniederlegung auf dem Russischen Friedhof durch den stellvertretenden Bürgermeister Ulrich Höltmann. Im Anschluss an den Psalmabend gehen die Teilnehmer gemeinsam zum Jüdischen Friedhof, wo ein Gebet gesprochen wird. Damit findet der Gedenktag seinen Abschluss. thw

• Wichtiger Hinweis: Das Kulturbüro weist darauf hin, dass für Jungen und Männer das Tragen einer Kopfbedeckung auf dem Jüdischen Friedhof Pflicht ist. Als Zeichen der Verbundenheit und des Gedenkens werden auf jüdischen Gräbern keine Blumen, sondern Steine hinterlegt. Steine für dieses Zeichen der Verbundenheit mit den Verstorbenen werden am Sonntag bereitgehalten.

 

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